Sonntag, 30. September 2007

Du mich auch.
schneckle, 01:04


Der Freund der besten Freundin hat zum Federweiser und Zwiebelkuchen geladen. Ein Dankeschön an die helfenden Hände der letzten großen Aktion. Meine haben nicht geholfen, denn ich habe mit seiner Herzallerliebsten die Früchte für das nächste Abendessen verdient. Eingeladen wurde ich trotzdem. Gehen wollte ich nicht. Hatte schon das schummrige Licht, die schummrige Musik und einen gezielten Blick auf den Küchenschrank geworfen, da kam der Anruf. Wo bleibste, los komm inne Puschen. Frau Schneckle also macht sich widerwillig auf den Weg, um oben Genanntes zu verköstigen. Der Abend war gesellig, die Witze dreckig und der Magen voll. Müde vom Getränk, macht sich die Frau Schneckle, als gerade irgendwer im Satz das Wort schlafen fallen lässt zum Aufbruch fertig. Die Jacke gerade angelegt, richtet der Freund der besten Freundin vor versammelter Gästeschar das Wort an Frau Schneckle und verkündet mit einem süffisanten Lächeln: Du warst ja eigentlich gar nicht eingeladen.

Schön, wenn ein Tag so beschissen endet, wie er angefangen hat.



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Tiffy
schneckle, 12:49


Morgendliches Kleinstadtidyll, der Vati holt die Brötchen und die ersten Grüppchen machen sich auf den Weg in die Kirche. Ich im Schlafanzug und wildem Haar. Vor meiner Tür sitzt eine Frau, weinend, und nur leicht bekleidet. Eine ganze Weile sitzt sie da schon. Höre ihr weinen bis hoch in meine Wohnung. Ob sie aus dem Gewerbe kommt nach dem Sie ausschaut, ich weiß es nicht. Ein Satz der mich verfolgen wird. Viel werde ich von ihr nicht erfahren. Angst hat Sie, ganz schreckliche Angst, die sieht man in ihren Augen. Die Zähne klappern. An ihren Fingern ein wenig Blut. Ein Nagel ist abgebrochen. Der Rotz läuft ihr aus der Nase und eine Schnapsfahne kommt mir entgegen. Sie hat Angst ganz schreckliche Angst. Und ich hocke da vor ihr und mir kommen schlimme Bilder. Sie kann sich nicht erinnern. Ich weiß es nicht. Nur dieser eine Satz, unterbrochen vom Zähneklappern und Weinen. Ich weiß es nicht. Ich beruhige Sie, ziehe ihr die Jacke über, frage Sie aus. Ich weiß es nicht. Was macht man in so einer Situation? Polizei rufen. Ja, die kümmern sich dann und ich kann auch endlich meine Brötchen holen. Ich kann nicht, sie hat so Angst und ich möchte ihr helfen, aber wie? Ich frage Sie was passiert ist, ob ihr jemand wehgetan hat. Sie sagt nur sie möchte aufwachen und dann ist alles wieder gut. Was macht man da? Sie schaut mich an, ich würde sie gern in Arm nehmen und wiegen. Ich streichle ihr über den Arm. Sie nimmt meine Hand. Nicht die Polizei, nicht die Polizei. Aber ich möchte dir so gerne helfen. Kannst du dich an gar nichts mehr erinnern? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht. Ich heiße ***** und du? Leise ganz leise kommt was raus. Ich verstehe Sie nicht. Sie wischt sich die Spucke von der Backe. Tiffy. Hallo Tiffy. Wohnst du hier, soll ich dich nach Hause bringen, soll ich jemanden für dich anrufen? Ich möchte dir helfen. Sie kramt ein Handy aus ihrer Tasche. Sie zittert, sie zittert so sehr, dass ich gar nicht glauben kann, dass sie eine Nummer findet. Sie gibt mir das Handy. Da steht ein Männername. Den soll ich für dich anrufen? Soll er dich abholen? Sie nickt. Ich kann noch nicht den grünen Knopf drücken. Ist das ein Freund? Ich weiß es nicht, keiner kommt, keiner kommt, nie kommt einer, keiner kommt. Ich wähle die Nummer. Ein Mann am Ende, er denkt ich wär Tiffy. Wo bist du fragt er. Er hat keine nette Stimme. Vielleicht hätte ich doch die Polizei rufen sollen. Er kommt. Noch mal frage ich sie, ob er ein Freund ist, ob sie wirklich möchte, dass er sie abholt. Keiner kommt, keiner kommt, keiner kommt, lass mich nicht allein. Ich bleibe bei dir, ich geh nicht weg. Wieder nimmt sie meine Hand. Vielleicht soll ich doch noch die Polizei rufen. Sie ist betrunken und sie ist völlig orientierungslos, aber dann wieder blickt sie mich so klar und tief an. Jetzt hab ich Angst. Eine Stunde schon sitze ich da mit ihr. Keine fünf Minuten nach dem Anruf hält ein Wagen. Er steigt aus, kaum das er die Wagentür zugeschlagen hat, brüllt er ihren Namen. Tiffy, los komm. Scheiße, ich hätte die Polizei rufen sollen. Er packt sie am Arm und zerrt sie hoch. Ich frage ihn, ob er ihr Freund ist. Ob er weiß was passiert ist, wo sie gestern war? Ein Bekannter, das ist alles was er mir sagt. Er will nicht wissen, was los ist, wer ich bin, wo ich sie gefunden habe, wie lange sie hier schon sitzt. Nichts. Stellt ihr keine Fragen, nimmt sie am Arm und geht mit ihr zum Wagen. Ich denke nur immer wieder scheiße, scheiße, scheiße. Sie nimmt wieder meine Hand. Keinen Ärger machen, keinen Ärger machen. Nein du hast mir keinen Ärger gemacht. Will ihr meine Nummer geben, ihr sagen, dass ich hier wohne, dass sie vorbeikommen kann, wenn sie will. Ich mach es nicht, er steht die ganze Zeit neben ihr. Scheiße, scheiße, scheiße. Sie fahren weg und ich notier mir sein Kennzeichen. Scheiße.

Liebe Tiffy ich wünsche dir sehr, dass du morgen aufwachst und alles ist wieder gut.



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